Kilimanjaro Tag 2: Machame Camp (3010 m) – Shira Camp (3845 m)

 

Blick über das Machame Camp (3.010 m), Kilimanjaro, Tanzania

Blick über das Machame Camp (3.010 m), Kilimanjaro, Tanzania

Am zweiten Tag liegt eine relativ kurze Etappe vor uns. Es geht vom Machame Camp (3.010 m) auf der etwa 7 km langen Route hinauf ins Shira Camp auf 3.845 m. Wie wir es uns vorgenommen hatten, verlassen wir gleich nach dem Frühstück als eine der ersten Gruppen das Camp. Der Weg führt zunächst relativ steil nach oben. Die Vegetation ist auf dieser Höhe bereits deutlich karger und wird als Heide- und Moorland bezeichnet, welches von Gestrüpp und Grasbüscheln gekennzeichnet ist. Der Weg ist ziemlich staubig und hin und wieder führt der Pfad auch über kleinere felsigere Abschnitte. Wir sind nun bereits oberhalb der üblichen Wolkenschicht, die sich über dem Regenwald befindet. Bereits vormittags ist es ziemlich warm und man kommt beim Gehen leicht ins Schwitzen, weil außerdem nicht das geringste Lüftchen geht. Echt erstaunlich.

 

Blick über das Shira Plateau, Kilimanjaro, Tanzania

Blick über das Shira Plateau, Kilimanjaro, Tanzania

Blick über die westlichen Erhebungen des Kilimanjaro, den Shira Ridge, Tanzania

Shira Ridge, Kilimanjaro, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ganze Zeit über werden wir von Trägern überholt. Manche hören über ein kleines Radio oder über ihr Handy laut Musik, während sie an uns vorbei eilen. Die wenigsten haben ordentliche Bergschuhe, Sneakers sind das am meisten vertretene Schuhwerk. Wenn tatsächlich mal einer der Träger knöchelhohe Schuhe trägt, dann sind diese fast immer ein paar Größen zu groß oder an allen Ecken und Enden provisorisch geflickt. Auch die Kleidung vieler Träger ist alles andere als bergtauglich. Viele tragen lediglich Jogginghosen-ähnliche Stoffhosen oder Jeans und ein Sweatshirt oder Fußball-Trikot darüber. Und manche tragen auch eine lustige Kombination aus kniehohen Socken oder einer langen Unterhose und einer kurzen Hose und Gamaschen. Eine Regenjacke ist oft der einzige Schutz gegen Kälte. Die wenigsten haben eine Daunenjacke. Dafür sind fast alle Kombinationen äußerst farbenfröhlich. Jeder Porter trägt neben seinem eigenen kleinen Gepäck (max. 5 kg) entweder einen riesigen Seesack über den Schultern, in dem sich das Gepäck des Touristen befindet, oder aber balanciert einen großen Korb mit Vorräten und Küchenutensilien auf dem Kopf. Insgesamt darf die Last maximal 20 kg betragen. Seitlich am Gepäck sind oft noch Kanister angebracht, mit denen ein Teil der Porter Wasser holen gehen, nachdem sie das Camp erreicht haben, während die anderen die Zelte aufbauen. Ich blicke dem nächsten steileren Anstieg entgegen. Es hat sich eine ganze Schlange an Trägern gebildet, die sich den Fels hinauf mühen. Es ist unvorstellbar was diese jungen Männer leisten. Einfach so. Mehrere Tage für ein paar Dollar Trinkgeld. Wir fragen Fredy warum für jede Touristengruppe alles eigens den Berg hinaufgetragen wird und wieder hinunter: die Zelte, der Campingtisch, das Geschirr, der schwere Gaskocher und so weiter. Es wäre wesentlich weniger aufwendig ein paar fixe Einrichtungen und Utensilien in jedem Camp zu haben oder alternativ eine Materialseilbahn zu bauen, zumindest an manchen Stellen. Seine Antwort ist kurz:

„It creates many jobs.“

Landschaftlich ist die Weite der Umgebung gewaltig. Man kann fast nie den Talboden erblicken, da ständig diese dicke Wolkenschicht über der Regenwald-Zone hängt. Wir kommen relativ gut voran, denn wir gehen zügig und machen nur kurze Pausen. In der prallen Sonne ist es ziemlich heiß, doch sobald die Wolken aufziehen wird es frisch. Bereits gegen Mittag erreichen wir das Shira Camp (3.845 m), welches sich auf einem weitläufigen Plateau befindet. Das gesamte Ausmaß dieses Bergmassivs ist unvorstellbar, einfach überdimensional. In westlicher Richtung blicken wir auf die markanten Felsformationen des Shira Plateau, welche eine der drei Erhebungen des Kilimanjaro ist. In südwestlicher Richtung können wir zudem den Mount Meru aus dem Wolkenmeer herausragen sehen. Und vor uns blicken wir nun zudem auf das Massiv des Kibo, welcher mit dem Uhuru Peak die höchste Erhebung am Kilimanjaro bildet. Antipas kocht ein leckeres Mittagessen für uns, bestehend aus Karottensuppe, Hühnchen und French-Toast. Als Nachtisch gibt es immer frisches Obst: Baby-Bananen, Wassermelone, Avocado, Papaya oder Orange.

 

Shira Camp (3.845 m) vor dem Kibo, Kilimanjaro, Tanzania

Shira Camp (3.845 m) vor dem Kibo, Kilimanjaro, Tanzania

Felsformation nahe der Shira Cave, Kilimanjaro, Tanzania

Felsformation nahe der Shira Cave, Kilimanjaro, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach etwas Erholung schlägt Fredy uns vor noch die nahegelegenen Shira Caves zu besichtigen. Die Höhle, die wir gezeigt bekommen ist zwar nur ein paar Quadratmeter groß aber von der kleinen Anhöhe aus hat man einen fantastischen Blick über das Camp und das Shira Plateau. Als wir wieder im Camp zurück sind, wird mir bewusst, dass ich gar nicht mehr weiß welcher Tag heute ist, welches Datum wir genau haben. Meinen Computer vermisse ich zwar nicht aber wenn ich nachts aufstehen und pinkeln muss, wünschte ich es gebe einen Lichtschalter und eine ordentliche Toilette. Außerdem würde ich echt gerne mal wieder richtig gründlich duschen. Mich nervt der Staub, der überall am Körper und an der Kleidung hängt. Aber ganz ehrlich gesagt ist mir das immer noch lieber als Regenschauer und Matsch … also bin ich eigentlich doch ganz zufrieden :) und immerhin habe ich genug Kleidung zum Wechseln dabei während die Träger jeden Tag Dasselbe anziehen müssen, weil sie nichts anderes (dabei)haben.

 

Beginnender Sonnenuntergang im Shira Camp, Kilimanjaro, Tanzania

Beginnender Sonnenuntergang im Shira Camp, Kilimanjaro, Tanzania

Sonnenuntergang hinter dem Shira Ridge, Kilimanjaro, Tanzania

Sonnenuntergang Shira Camp, Kilimanjaro, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Shira Camp sind wir nun immerhin schon auf über 3.800 m und somit höher als viele Alpengipfel. Abends habe ich leichte Kopfschmerzen, was wohl von der Höhe und der dünnen Luft kommt. Ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird. Die Devise lautet: wandern, trinken, essen, schlafen und nicht über die Höhe nachdenken. Klingt eigentlich ganz gut. Ehe ich mir im Zelt liegend noch länger den darüber den Kopf zerbrechen kann, gehen wir nach draußen und sehen uns den unvergesslichen Sonnenuntergang an: Über einem dichten Wolkenmeer färbt sich der Himmel erst rosa-bläulich und etwas später orange-rötlich und golden, während die Sonne langsam hinter den sich schwarz abzeichnenden Felsspitzen des Shira Plateaus untergeht. Ein wunderschönes Naturschauspiel, während dem es im Camp zum ersten Mal ganz still wird. Ein atemberaubender Anblick. Als es im Camp bereits schattig geworden ist, erscheint der Kibo im Licht der untergehenden Sonne noch ein paar Minuten lang rötlich-golden. Es ist erstaunlich wie schnell hier die Sonne untergeht aber das ist in Äquatornähe wohl so. Für heute gehen wir erstmal schlafen und morgen geht es wieder weiter!

Hier geht’s zur nächsten Etappe: Kilimanjaro Tag 3: Shira Camp (3.845 m) – Lava Tower (4.640 m) – Barranco Camp (3.960 m)

 

Der Mount Meru ragt aus dem Wolkenmeer heraus, fotografiert am Kilimanjaro, Tanzania

Der Mount Meru ragt in der Entfernung aus dem Wolkenmeer heraus, fotografiert am Kilimanjaro, Tanzania

 

Ein Gedanke zu “Kilimanjaro Tag 2: Machame Camp (3010 m) – Shira Camp (3845 m)

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