Mount Meru Tag 3: Saddle Hut (3566 m) – Mount Meru Summit (4566 m) – Miriakamba Huts (2514 m)

An diesem dritten Tag beginnt unser Gipfelmarsch und das bereits um 1:30 Uhr! Das heißt, wir stehen um 0:30 Uhr auf zur unmenschlichsten Zeit, die ich mir vorstellen kann. Der Wecker reißt mich unsanft aus dem ohnehin eher oberflächlichen Schlaf. Meine ersten Gedanken gehen in etwa so: Was habe ich mir bloß dabei gedacht als ich mich für diese Trekkingtour entschieden habe? Draußen ist es dunkel und kalt, ich bin müde und will nichts außer in Ruhe schlafen. Der Kampf mit meinem inneren Schweinehund beginnt und ich rede mir gut zu: jetzt bin ich schon mal hier, da sollte ich mir diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen! Wer weiß, ob ich hier sonst jemals wieder mal herkomme. Also: raus aus dem Schafsack und hinein in die bitterkalte Wanderhose … am Frühstückstisch kann ich mich sogar dazu überwinden ein paar Kekse zu essen. Der Tee wärmt mich von innen. Alles halb so schlimm! So kalt ist es eigentlich gar nicht, der Mond scheint hell und Wind geht auch keiner … also auf geht’s! Pünktlich um 1:30 Uhr brechen wir zu zweit gemeinsam mit unserem Guide Muddy zum Gipfelmarsch auf. Bei dieser letzten Etappe zum Gipfel geht jede Kleingruppe für sich, während wir die letzten zwei Tage alle gemeinsam gegangen sind. Vor ein paar Tagen war Vollmond und der Mond scheint in dieser Nacht noch immer so hell, dass wir unsere Stirnlampen gar nicht brauchen. Auf einmal bin ich auch gar nicht mehr müde sondern freue mich schon jetzt auf den Sonnenaufgang am Gipfel! Davor liegen jedoch noch knapp 5 Stunden Marsch und dieser sollte härter werden, als ich es mir je erträumt hätte … Bis zum Aussichtspunkt am Rhino Point (3.800 m) führt ein guter Weg in Serpentinen den Berg hinauf, danach wird der Weg stellenweise etwas kniffeliger und Trittsicherheit ist gefragt. Da wir gut in Form sind, halten wir am Rhino Point nur kurz an, um einen Schluck heißen Tee zu trinken und gehen dann weiter in Richtung Gipfel. In dieser Dunkelheit brauchen wir ohnehin keine Fotos machen. Der Steig führt teilweise über sehr steile Aschefelder und immer wieder sind auch einige weglose Teilstücke über den Fels zu bewältigen, wo zur Sicherheit aber ein Fixseil angebracht ist, bzw. eine Kette. So geht es stetig weiter den Kraterrand entlang, wobei ich beim Durchqueren der Ascheböden jedes Mal finde es läuft sich wie am Sandstrand (wenigstens ein paar warme Gedanken muss man sich ja machen!).

Der Weg scheint schier endlos und irgendwie fühle ich mich auf einmal nicht mehr so gut. Mir ist nicht nur eiskalt sondern ich habe auch Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und mir wird zudem ganz übel. Ist das etwa die Höhe? Muddy bemerkt sofort, dass mit mir etwas nicht stimmt und wir legen eine Pause ein. Er verteilt heißen Ingwer-Tee und obwohl mir alles andere als nach Ingwer-Tee ist, nehme ich aus Höflichkeit ein paar Schluck. Der Ingwer Geschmack ist extrem stark und es dauert keine Minute bis mir der Tee wieder hochkommt! Ich muss mich mehrmals übergeben, obwohl ich bis auf den Tee nichts mehr im Magen habe. Als ich da so zwischen den ungemütlichen Felsen kauere auf über 4.200 m fühle ich mich wirklich hundeelend. Noch immer ist es dunkel und kalt und ich frage mich, ob es wirklich Sinn macht weiter zu gehen. Muddy sagt in beruhigendem Ton:

Don’t worry – hakuna matata – that’s mountain sickness, it’s normal, you will be better after vomiting, don’t worry.

Zuerst denke ich er verharmlost alles nur, weil er mir Mut machen möchte, aber er hat tatsächlich Recht – gleich darauf geht es mir echt ein ganzes Stück besser! Doch ich frage mich natürlich, wie es wohl erst am Kilimanjaro werden wird, wenn mir die Höhe hier schon zu schaffen macht. Sollte ich nicht doch besser umkehren? Muddy sagt mir, dass es nur noch etwa 200 Höhenmeter bis zum Gipfel sind und ich es auf jeden Fall schaffe. Also reiße ich mich zusammen und eigentlich möchte man so kurz vor dem Ziel ja wirklich nicht umkehren! Wir gehen langsam weiter und legen alle 10-15 Minuten einen kurzen 1-Minuten-Stopp ein. Mit jedem Schritt wird mir kälter und ich muss mich wirklich zusammenreißen, dass ich die letzten paar Meter weitergehe. Jetzt, kurz vor dem Sonnenaufgang ist am kältesten und der steinige Boden ist noch gefroren und leicht mit Schnee-Frost überzogen. Mir ist trotz Daunenjacke und dicken Handschuhen wirklich bitterkalt aber ich beiße die Zähne zusammen.

 

Gipfeltafel am Mount Meru, 4.566 m, Sonnenaufgang, der Kibo (Kilimanjaro) blitzt zwischen den Tafeln hervor; Tanzania

Gipfeltafel am Mount Meru, 4.566 m, Sonnenaufgang, der Kilimanjaro blitzt zwischen den Tafeln hervor; Arusha Nationalpark, Tanzania

Und dann, um kurz nach 6 Uhr erreichen wir den Gipfel des Mount Meru und stehen mit 4.566 m auf dem fünfthöchsten Berg Afrikas! Wir machen ein paar Fotos mit der Tansanischen Flagge und an der Gipfeltafel des Meru. Und nur wenige Minuten später werden wir für unsere Strapazen mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt. Gespannt beobachten wir, wie sich der Horizont rot-gelb-orange färbt und die Sonne in östlicher Richtung direkt hinter dem gigantischen Bergmassiv des Kilimanjaro aufgeht. Zwischen den beiden Bergen liegt ein Meer aus Wolken, das nun durch die aufgehende Sonne eine ganz mystische Stimmung bekommt. Wir werden Zeugen dieses wunderschönen Naturschauspiels und obwohl mir noch immer eiskalt ist, denke ich mir, dass ich noch nie einen so beeindruckenden Sonnenaufgang gesehen habe.

 

 

Das erste Licht des Morgens hinter Kibo und Mawenzi, gesehen vom Gipfel des Mount Meru; Tanzania

Das erste Licht des Morgens hinter Kibo und Mawenzi, gesehen vom Gipfel des Mount Meru, Tanzania

Wenige Momente später: Sonnenaufgang hinter dem Kilimanjaro, über einem Meer aus Wolken, fotografiert vom Gipfel des Mount Meru, Tanzania

Wenige Momente später: Sonnenaufgang hinter dem Kilimanjaro, über einem Meer aus Wolken, fotografiert vom Gipfel des Mount Meru, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Direkt hinter der Gipfeltafel fällt der Meru mehrere hundert Meter beinahe senkrecht ab und man blickt hinunter in die Dunkelheit des mächtigen Kraters. Beim Abstieg im morgendlichen Tageslicht erkennt man die gesamte Umgebung besser. Sie wirkt wie eine Mondlandschaft und ist zwar grau, felsig und lebensfeindlich aber auch faszinierend, markant und einzigartig. Besonders gut ist jetzt auch der schmale Grat zwischen der schrägen Außenwand des Kraters und der steilen Klippe an der Innenwand zu erkennen. Wir gehen auf dem selben langen Weg zurück, über den wir aufgestiegen sind und es scheint einfach kein Ende zu nehmen. Im Sonnenlicht ist es jetzt zwar spürbar wärmer aber die Müdigkeit macht mir sehr zu schaffen. Ich würde am liebsten an Ort und Stelle stehen bleiben und auf den blanken Felsen einschlafen. Doch Muddy motiviert mich jetzt nicht stehen zu bleiben sondern weiter zu gehen. Er verspricht, dass ich mich im Camp ausruhen darf.

 

Morgens ist der Fels am Kraterrand des Mount Meru noch leicht vereist, Tanzania

Morgens ist der Fels am Kraterrand des Mount Meru noch leicht vereist, Tanzania

Pfad über vulkanische Asche auf dem Rückweg vom Gipfel, Mount Meru, Tanzania

Pfad über vulkanische Asche auf dem Rückweg vom Gipfel, Mount Meru, Tanzania

Vulkangestein auf ca. 4.000 m Höhe, Mount Meru, Tanzania

Vulkangestein auf ca. 4.000 m Höhe, Mount Meru, Tanzania

Rhino Point (3.800 m) mit Meru Kraterrand und Gipfel im Hintergrund, Tanzania

Rhino Point (3.800 m) mit Meru Kraterrand und Gipfel im Hintergrund, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann passieren wir endlich wieder den Rhino Point und sind kurze Zeit später, bereits um 9 Uhr, wieder zurück im Camp. Ich bin einfach nur müde aber auch überglücklich es geschafft zu haben. Unsere Begleitmannschaft begrüßt uns mit einem freudigen Lächeln und alle gratulieren uns zur erfolgreichen Gipfelbesteigung. Die Nachricht verbreitet sich schnell und schon eilen auch Mongaya und Kipemba, zwei unserer Träger herbei und bringen uns etwas zu trinken, nehmen uns die Rucksäcke ab und helfen uns die Schuhe und Kleidung vom Aschestaub zu reinigen. Die Jungs sind einfach klasse! Wir bekommen eine Schüssel warmes Wasser und Seife, um uns zu waschen und gehen erst einmal eine Stunde schlafen. Tiefschlaf, eine ganze Stunde – was für eine Wohltat :) Dann bekommen wir ein reichhaltiges Mittagessen aufgetischt, von dem wir aber leider nur die Suppe essen können, weil wir einfach zu geschafft und müde sind. Nach dem Mittag heißt es Sachen zusammenpacken, denn wir machen uns an den weiteren Abstieg zu den Miriakamba Huts, wo wir unsere letzte Nacht am Berg verbringen werden.

 

Rhino Point (3.800 m) mit Meru Kraterrand und Gipfel im Hintergrund, Tanzania

Mount Meru (4.566 m) mit Ashcone, fotografiert von Mgongo wa Tembo Aussichtspunkt, Tanzania

 Auf dem Weg zurück zu den Miriakamba Huts, Mount Meru, Tanzania

Auf dem Weg zurück zu den Miriakamba Huts, Mount Meru, Tanzania

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich wieder im grünen Regenwald, Arusha Nationalpark, Tanzania

Endlich wieder im grünen Regenwald, Arusha Nationalpark, Tanzania

Bis zum anderen Camp gehen wir zügig und leichtfüßig. Am Aussichtspunkt Mgongo wa Tembo halten wir kurz an. Der Himmel ist nun sonnenklar und wir haben einen atemberaubenden Blick hinein in den Krater samt Ash Cone und zum Gipfel, wo wir heute Morgen standen! Was für ein faszinierender Berg! Dieser dritte Tag am Meru war körperlich und mental eine echte Herausforderung. Insgesamt haben wir heute etwa 19 km zurückgelegt und mehr als 1.000 Höhenmeter im Aufstieg, was zwar nicht sehr viel ist aber durch die große Höhe ist unser Gipfelmarsch richtig anstrengend geworden. An diesem Abend habe ich nicht die geringsten Probleme einzuschlafen :)

Hier geht’s zur nächsten Etappe: Mount Meru Tag 4: Miriakamba Huts (2.514 m) – Momella Gate (1.600 m)

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