Gletschertour Martelltal – Casatihütte – Monte Cevedale (3769 m)

 

Abendliches Panorama über die Königspitze (3859 m), Südtirol

Abendliches Panorama über die Königspitze (3859 m), Südtirol

 

Startpunkt: Enzianhütte im Martelltal

Anfahrt: zwischen Schlanders und Latsch Abzweigung ins Martelltal, immer weiter ins Tal hinein fahren, am Zufrittsee vorbei und bis zum Parkplatz an der Enzianhütte (gebührenpflichtig!)

Karte: Kompass Nr. 69

Dauer: Aufstieg ca. 5-6 Stunden, Abstieg ca. 4 Stunden (Richtwerte, reine Gehzeit)

Höhenunterschied: ca. 1720 hm (Enzianhütte 2051 m – Cevedale 3769 m)

Sonstiges: Hochtourenbekleidung und Gletscherausrüstung (Seil, Pickel, Steigeisen, usw.) erforderlich; Einkehrmöglichkeiten: Zufallhütte, Casatihütte (bei Übernachtung am Wochenende Voranmeldung empfohlen)

 

Was gibt es schöneres als an einem heißen Sommer-Wochenende die Abkühlung in den Höhenlagen der Berge zu finden und sich an einem eiskalten Gletschersee zu erfrischen? Für unsere 2-tägige Hochtour auf den dritthöchsten Gipfel Südtirols, den Cevedale (3769 m), haben wir perfekte Wetterverhältnisse. Am ersten Tag gehen wir vom Martelltal aus bis zur Casatihütte (3269 m), übernachten dort im Zelt (man kann auch auf der Casatihütte übernachten) und gehen am zweiten Tag die verbleibenden 500 Höhenmeter bis zum Cevedale Gipfel (3769 m) und wieder den selben Weg zurück zum Ausgangspunkt im Martelltal. Vom Cevdale Gipfel aus gibt es mehrere alternative Abstiegsrouten, z.B über die Cima Cevedale zur Fürkelscharte und Marteller Hütte zurück ins Martelltal, oder aber auch zurück zur Casatihütte, an der Suldenspitze vorbei und über den Eisseepass zur Schaubachhütte weiter nach Sulden.

 

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Wanderwege-Kreuzung an Steinmauer im Martelltal, Südtirol

Wanderwege-Kreuzung an Steinmauer im Martelltal, Südtirol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Samstag Morgen starten wir unsere Tour an der Enzianhütte (2051 m) im Martelltal und wandern zunächst gemütlich in etwa 30 Minuten hinauf zur Zufallhütte (2265 m). Dieser unterste Abschnitt durch den Wald ist bei Wanderern und für Familienausflüge sehr beliebt und kann im Winter auch als eine kurze aber lohnenswerte Schneeschuh-Wanderung mit top Panorama gegangen werden. An der Zufallhütte halten wir uns links, der Beschilderung zur Casatihütte (Rifugio Casati) folgend, später als Wanderweg Nr. 150 markiert. Nach kurzer Zeit gelangen wir an eine Staumauer. Den dort abzweigenden Weg Nr. 3 zur Marteller Hütte lassen wir unberücksichtigt sondern folgen dem stets flach ansteigenden, relativ breiten Weg in westliche Richtung. Wir gehen nun immer weiter ins hintere Martelltal hinein.

 

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Wanderweg Nr. 150 im Martelltal, Südtirol

Natürliches Farbenspiel im hinteren Martelltal, Südtirol

Natürliches Farbenspiel im hinteren Martelltal, Südtirol

Markierung zur Casatihütte auf einem Stein, Martelltal, Südtirol

Markierung zur Casatihütte auf einem Stein, Martelltal, Südtirol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An den südlichen Berghängen fließt überall das Wasser in kleinen und größeren Wasserfällen ins Tal hinunter und je weiter wir gehen, desto lauter wird das Rauschen der Wasserläufe. Die Temperaturen sind mittlerweile auf das Unerträgliche gestiegen, obwohl es gerade mal etwa 10 Uhr vormittags ist und wir schon auf ca. 2500 m Höhe sind. Auf Schatten spendende Bäume hofft man hier oberhalb der Baumgrenze vergebens. Der Weg verläuft stets flach aber zieht sich lange und je näher wir dem Langenferner Gletscher kommen, desto häufiger finden sich kleinere Schneefelder am Wegrand mit eiskalten Seen, die von dem Schmelzwasser gespeist werden. Kleiner Steinmännchen weisen den Weg und an einer Stelle ist eine rote Markierung an einem Stein angebracht „<– Casati“, bei der man sich links halten muss. Mehrere Male müssen wir kleinere Bachläufe überqueren und besonders unser Hund freut sich über die Abkühlung. An einer gemütlichen Stellen legen wir eine längere Rast ein. Die vollgepackten Rucksäcke (Zelt, Schlafsack, Gletscherausrüstung, Proviant, etc.) machen uns bei diesen Temperaturen etwas zu schaffen :)

 

 

Gletscherzunge des Langenferner, Martelltal, Südtirol

Gletscherzunge Langenferner, Südtirol

Pfahlartige Markierung am Langenferner Gletscher; die Casatihütte ist am Horizont in der Bildmitte erkennbar, Südtirol

Pfahlartige Markierung am Langenferner Gletscher, Südtirol; die Casatihütte befindet sich am Horizont in der Bildmitte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann gehen wir weiter und vor uns eröffnet sich der Blick auf den gewaltigen Gletscher, mit Gletschermoräne und zahlreichen riesigen Gletscherspalten im unteren Bereich. Erst nachdem wir am Inneren Kofel (3067 m) in Richtung Süden vorbeischauen können, erblicken wir den vorderen Gipfel des Cevedale, die Zufallspitze / Cima Cevedale (3757 m). Unser morgiges Ziel ist jedoch der „hintere“ unbedeutend höhere Hauptgipfel, Monte Cevedale (3769 m) genannt. Nach dem Ortler (3905 m) und der Königspitze (3859 m) ist dieser Gipfel die dritthöchste Erhebung Südtirols. Kurz bevor wir den Gletscher erreichen und unsere Steigeisen anlegen, erwartet uns noch ein kurzer aber sehr steiler Anstieg über loses Geröll, auf dem der Weg kaum erkennbar ist, da stets weiteres feines Geröll von oben nachkommt. Nach diesem fiesen Anstieg legen wir noch einmal eine kurze Pause ein. Nun beginnt der Langenferner Gletscher, der in der prallen Hitze glänzt, so als hätte man ihn stundenlang poliert. Obwohl wir nun auf 3000 m Höhe sind, können wir problemlos in kurzen Hosen und T-Shirt über den Gletscher gehen, so heiß ist. Dann sehen wir endlich die Casatihütte und es geht in südlicher Richtung weiter über den flachen Gletscher, der hier keine Spalten sondern „nur“ ein paar Risse aufweist. Dennoch ist Vorsicht geboten! Die Sonne erhitzt den Gletscher weiter unermüdlich, so dass die oberste Schicht ziemlich matschig ist und wir teilweise bis zu den Knien einsinken.

 

Gletscherweg über Langenferner zur  Casatihütte, Südtirol

Gletscherweg über Langenferner zur Casatihütte, Südtirol

Sonnenuntergang hinter der Königspitze (3859 m), SüdtirolSonnenuntergang hinter der Königspitze (3859 m), Südtirol

Sonnenuntergang hinter der Königspitze (3859 m), Südtirol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Casatihütte auf 3269 m, auf deren Terrasse sich bereits dutzende Italiener tummeln und den Ausblick über die vergletscherte Umgebung und die umliegenden Bergriesen genießen. Auf der Hütte stärken wir uns zunächst mit einem zuckrigen Früchte-Tee und bekommen später ein reichhaltiges Abendessen samt Schokoladen-Pudding als Dessert :). Zum Glück haben wir das Zelt mitgenommen, denn die Zimmer auf der Hütte sind an einem so perfekten Sommerwochenende bereits ausgebucht. Nachdem wir das Zelt nahe der Casatihütte aufgebaut haben, erleben wir gegen 21:30 Uhr einen unvergesslichen Sonnenuntergang: kurz bevor die Sonne tatsächlich untergeht, wird sie von dem gewaltigen Felsmassiv der Königsspitze (3859 m) „geschluckt“. Ein einzigartiges Panorama und Photomotiv – besser als jede Fernsehsendung.

 

Sonnenaufgang von der Casatihütte aus (3269 m), Südtirol

Sonnenaufgang von der Casatihütte aus (3269 m), Südtirol

Flacher Anstieg über den Gletscher zum Cevedale Gipfel, Südtirol

Gletscher unterhalb des Monte Cevedale, Südtirol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einer angenehm frischen Nacht im Zelt auf über 3200 m Höhe stehen wir am nächsten Morgen bereits um kurz nach 5 Uhr auf. Gemütlich frühstücken wir im Zelt, packen alles zusammen und machen uns für die bevorstehende Gletschertour bereit. Bis wir starten wird es 7 Uhr und mit uns „pilgern“ dutzende andere Menschen in einer nicht endenden Schnur zum Gipfel des Cevedale.

 

Casatihütte (3269 m) mit Königspitze (3859 m) im Hintergrund, Südtirol

Casatihütte (3269 m) mit Königspitze (3859 m) im Hintergrund, Südtirol

 

Nicht jeder kommt gleich gut mit der Höhe zurecht und manche Seilschaften legen immer wieder eine kurze Pause ein und es bildet sich beinahe ein „Stau“. Die Spuren zum Gipfel sind nicht zu verfehlen. Relativ geradlinig und meist flach mit nur kurzen Anstiegen läuft man über den Zufallferner Richtung Cevedale-Gipfel. Erst kurz vor dem Gipfel beginnt ein kurzer aber relativ steiler Anstieg und es gilt ein paar kleinere Gletscherspalten zu überwinden. Man muss hier sehr gut aufpassen und darf den Gletscher nicht unterschätzen! Dann erreichen wir den schmalen Gipfelgrat. Ich muss all meinen Mut zusammennehmen, als wir über den nur ca. 25 cm breiten Schneegrat die letzten 100 Meter zum halb eingeschneiten Gipfelkreuz gehen. Gegen 9 Uhr haben wir es geschafft! Gemeinsam mit unserem Hund erreichen wir den 3769 m hohen Hauptgipfel des Cevedale!

 

 

 

Versteckte Gletscherspalten mahnen zu großer Vorsicht, am Cevedale, Südtirol

Vorsicht vor versteckten Gletscherspalten am Cevedale, Südtirol

Gipfelkreuz des Monte Cevedale (3769 m), Südtirol / Lombardei

Gipfelkreuz des Monte Cevedale (3769 m), Südtirol / Lombardei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach ein paar Panorama- und „Sieger“-Photos gehen wir über den schmalen Grat zurück und spielen kurz mit dem Gedanken zum nur etwa 600 Meter entfernten Vorgipfel des Cevedale, der Zufallspitze (3759 m), zu gehen. Von dort aus könnten wir in östlicher Richtung über die Fürkelscharte (3032 m) und die Marteller Hütte (2610 m) zur Zufallhütte absteigen. Eine schöne Alternative, bei der man sich den langen Weg über den Gletscher ersparen würde. Da dieser Abstieg aber wohl eine längere Gratwanderung auf felsigem Gelände beinhaltet und eine solche Passage den Hund (und wahrscheinlich auch mich mit dem Rucksack) für heute zu sehr herausfordern würde, entscheiden wir uns dafür doch den selben, eher einfachen Weg zurückzugehen, über den wir hinaufgekommen sind.

 

Blick vom Gletscher aus über das hintere Martelltal, Südtirol

Blick vom Gletscher aus über das hintere Martelltal, Südtirol

Steinkunst am Wegrand, Martelltal, Südtirol

Steinkunst am Wegrand, Martelltal, Südtirol

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonnenuntergang hinter der Königspitze (3859 m), Südtirol

Steinmauer und Wasserfall unweit der Zufallhütte (2265 m), Martelltal, Südtirol

Schon ein paar hundert Meter vor der Casatihütte folgen wir den rechts abzweigenden Spuren, die uns über den Langenferner wieder zurück ins obere Martelltal führen. Der Weg zieht sich und meine Schultern und der Hüftgurt schmerzen vom Rucksack. Wir gehen bis zum Ende des Gletschers und legen eine längere Pause ein. Dann wartet der steile Abstieg über das lose Geröll auf uns und wir entschließen uns dazu das Geröll zu meiden und dafür über die kleinen Schneefelder abzusteigen. Nicht nur wir sondern auch unser Hund hat eine Riesenfreude im Schnee :) Dem Wanderweg Nr. 150 folgend gelangen wir relativ zügig zurück zur Zufallhütte, wo wir einkehren und nach einer längeren Pause die letzten 20 Minuten zurück zu unserem Ausgangspunkt an der Enzianhütte gehen. Es ist nun früher Nachmittag, die Hitze ist unerträglich und wir freuen uns einfach nur auf eine kühle Dusche. Auf der Heimfahrt schmieden wir bereits Pläne für die nächste Tour …