Alpine Bike Etappe 8: Andermatt – Meiringen

Distanz: ca. 57 km; Höhenmeter: ca. 1.600 hm; Höhenprofil

Beschilderung: Alpine Bike Mountainbike Route Nr. 1;

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 8, Andermatt - Meiringen; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 8, Andermatt – Meiringen; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Mehr als die Hälfte der gesamten Schweiz-Durchquerung ist bereits geschafft und heute geht es von Andermatt im Kanton Uri über den Sustenpass nach Meiringen im Berner Oberland, also in den Kanton Bern. Guter Dinge treten wir in die Pedale doch schon nach wenigen hundert Metern bleiben wir gezwungener Maßen wieder stehen. Am Ortsrand von Andermatt (1437 m), wo der Straßentunnel nach Göschenen beginnt, ist eine große Baustelle und die Bikeroute durch die Schlucht ist gesperrt. Was jetzt? Mit dem Rad durch den Autotunnel wäre glatte Selbstgefährdung, niemals würde ich da durchfahren. Also versuchen wir über einen für Fußgänger provisorisch angelegten Weg an der riesigen Baustelle vorbei zu kommen. Doch dann ist dort plötzlich eine sehr enge und steile Wendeltreppe, über die es mir nicht gelingt mein Bike herunterzutragen. Die Windung der Treppe ist einfach zu eng und mein Bike verkeilt sich ständig. Nach mehreren Versuchen schaffen wir es dann doch irgendwie beide Bikes über die Treppe herunterzubringen. Ein kurzes Stück können wir dann auf dem normalen Weg über die Teufelsbrücke entlang hinunter fahren, doch dann zieht sich die Baustelle am Tunnel noch bis zum Ende der Schöllenen Schlucht und wir müssen die meiste Zeit schieben. Schade, das wäre bestimmt eine tolle Abfahrt gewesen. Immerhin aber können wir am Ende dann weiterfahren und haben auch dieses Hindernis überwunden. Ab Göschenen (1108 m) folgen wir wieder der normalen, beschilderten Route. Diese führt uns lustigerweise über einen abenteuerlichen Trail mit Treppen, dann unter einer Brücke hindurch und über einen Schleichweg nahe der Autobahn entlang Richtung Wassen. Solch extraordinäre Pfade würde man ja eigentlich nicht auf einer solchen Tour erwarten aber genau das ist es auch, was die Alpine Bike Tour so einzigartig macht, finde ich. Und am Schluss zählt jeder kleine Meter. Bei Wassen (916 m) biegen wir ins Maiental ab, wo allmählich der lange und zähe Anstieg zum Sustenpass beginnt. Die Route verläuft auf naturbelassenen Wegen in Sichtweite zur Straße. Biketechnisch ist der Weg nicht unbedingt herausfordernd, was die Kondition betrifft jedoch schon. Zunächst noch eher moderat ansteigend, wird das Tal, je weiter man hineinfährt immer alpiner und der Weg ruppiger und steiler. Auf der Passstraße schlängeln sich ein paar Autos, Motorräder und sogar Wohnwägen den Berg hinauf. Gestern auf dem Oberalppass war wesentlich mehr Verkehr. Am Ende des Tals, links der Passstraße, kann ich die Mountainbike Route gut erkennen, die eigentlich eher einem steilen Bergweg ähnelt. Wird das Biken wieder zur Kletterpartie werden? Darauf habe ich eigentlich keine rechte Lust, ich möchte gerne fahren. Wir halten an, essen erstmal wieder eine Banane und beratschlagen, was wir tun.

 

Teufelsbrücke Schöllenenschlucht, Schweiz, Alpine Bike Tour

Teufelsbrücke Schöllenenschlucht, Schweiz, Alpine Bike Tour

Meiental, Blick auf Fünffingerstöck, Schweiz, Alpine Bike Tour

Meiental, Blick auf Fünffingerstöck, Schweiz, Alpine Bike Tour

Am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Blick zurück ins Meiental, Schweiz, Alpine Bike Tour

Blick zurück ins Maiental, Schweiz, Alpine Bike Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine kleine Abzweigung führt hoch zur Straße, der Wegweiser jedoch zeigt auf den Steig weiter hinten im Tal. Wir entscheiden uns für die Straße. Dort angekommen kämpfen wir uns die verbleibenden Höhenmeter nach oben bis auf die Passhöhe (2.255 m). Beinahe noch werde ich von einem Porsche mitgenommen, doch dann haben wir es geschafft! Die Aussicht ist mal wieder atemberaubend, trotz der Wolken. Der Gletscher des Sustenhorns scheint zum Greifen nahe. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis hier oben Schnee fällt. Eigentlich haben wir schon ein ziemliches Glück mit dem Wetter, es könnte jetzt, Mitte September ja auch schon viel kühler sein. Nun, wir essen nach geschafftem Anstieg eine Gluaschsuppe und trinken einen Tee, dann geht es auch schon weiter, den Pass hinab Richtung Gadmen. Ich rase los und bemerke viel zu spät, dass wir eigentlich hätten links abbiegen müssen, um auf den Trail zu gelangen. So ein Mist! Umdrehen geht hier auf der Straße nicht und immer wieder kommen Autos. Also fahre ich weiter der Straße entlang. Erst in Gadmen (1182 m) kommen wir wieder auf den eigentlichen Weg, auf dem es noch immer weiter hinab geht. Die Abfahrt bis nach Innertkirchen (625 m) ist wirklich unglaublich lange. Dafür sind wir aber vorher auch alles nach oben gestrampelt, so dass wir uns das Ausrollen schon auch verdient haben. Das Ziel der heutigen Tour, Meiringen, liegt auf nur mehr 606 m und ist damit der niedrigste Punkt, seit wir in Scuol gestartet sind. Kurz vor unserem Ziel wartet jedoch noch ein fieser und steiler Anstieg, der aber zum Glück gut fahrbar ist und auch nicht so lange anhält. Nach so einer langen Abfahrt sind die Muskeln wieder kalt und ich muss richtig beißen, dass ich da hinauf komme. Der Weg und die Landschaft sind dafür super schön und der Weg führt uns in ein kleines Waldstück hinein, wo mir auf den letzten Meter nach oben die späte Nachmittagssonne ins Gesicht strahlt. Auf einer Bank vor einem kleinen Wasserlauf genießen wir kurz die Ruhe, machen noch mal provisorisch unsere Bikes etwas sauber und fahren dann hinunter nach Meiringen.

 

Am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Steingletscher See am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Steingletscher See am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Felsformation am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

Felsformation am Sustenpass, Schweiz, Alpine Bike Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Meiringen fahren wir der Hauptstraße entlang auf der Suche nach einer Unterkunft. Hotels gibt es hier ausreichend, doch alles ist schon ausgebucht! Das gibt es doch nicht! Uns bleibt schlussendlich nichts anderes übrig, als im übertriebenen 4-Sterne „Parkhotel du Sauvage“ abzusteigen. Mountainbiker sind in diesem Hause offenbar eher unbeliebt. Die aufgesetzt und schnippisch wirkende junge Dame am Empfang mustert uns als wären wir Ausserirdische. Wir nehmen das preiswerteste Zimmer und man besteht auf Vorauszahlung. Weshalb nur habe ich hier nicht gerade das Gefühl als wären wir gerne gesehen? Na gut, zum Glück bleiben wir nur eine Nacht. Später am Abend beginnt es wie aus Kübeln zu regnen und wir entschließen uns kurzerhand zum Essen einfach auf die gegenüberliegende Straßenseite, in ein Asiatisches Restaurant zu gehen. Welch ein Glückstreffen, denn die Gerichte sind bezahlbar, reichhaltig und lecker. Schon morgen erwartet uns wieder eine super Etappe, auf die ich mich freue!