Alpine Bike Etappe 2: Livigno – St. Moritz

Distanz: ca. 44 km; Höhenmeter: ca. 1.100 hm; Höhenprofil

Beschilderung: Alpine Bike Mountainbike Route Nr. 1;

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 2, Livigno - St. Moritz; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 2, Livigno – St. Moritz; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Heute möchten wir von Livigno über den Chaschauna Pass nach St. Moritz fahren. Das sollte eigentlich machbar sein. Doch die lange Doppeletappe von gestern steckt uns in den Beinen. Wir fahren erst gegen 10 Uhr in Livigno los, nachdem wir auch noch die hinteren Bremsbeläge an meinem Bike wechseln mussten. Im Supermarkt kaufen wir noch schnell ein paar Bananen und es kann losgehen! Doch schon bei der ersten Berührung mit dem Sattel würde ich am liebsten wieder absteigen. Mein Hintern tut derart weh von gestern, das ist unbeschreiblich … ich gebe dem zusätzlichen Gewicht im Rucksack die Schuld. Na gut, ich beisse die Zähne zusammen, irgendwann wird die Hinterteil-Region schon taub werden! 44 km können ja auch nicht so lange sein … falsch gedacht! Schon nach den ersten paar Kilometern heißt es schieben. Der Anstieg am Pass Chaschauna ist einfach der Killer! Der Schotterweg ist zwar die meiste Zeit gut befestigt, breit und eigentlich super zu fahren, wenn nur diese enorme Steigung nicht wäre. Über mehr als 800 hm geht es steil bergauf. Weiter oben am Hang sehen wir eine andere Gruppe Mountainbiker, die auch schieben. Wenigstens sind wir nicht die Einzigen, die hier absteigen. Nach über einer Stunde wird jedoch auch das Schieben anstrengend. Mir kam mein Bike noch nie so schwer vor und ich mühe mich ab, es mal vor mir herzuschieben, mal hinter mir nach zu ziehen. Pelzig runde Murmeltiere machen sich über uns lustig! Doch die Aussicht ist prächtig! Was für ein Tal, was für Berge! Einfach genial! Immer wieder halten wir kurz an und staunen darüber, wie weit wir nun schon bergauf geschoben haben. Dann wird es auf einmal kühler und ein frischer Wind setzt ein. Wir ziehen die Jacken an und schieben weiter. Endlich erreichen wir die Rifugio Cassana (2601 m) und würden gerne einen heißen Tee trinken, doch die Hütte ist zu dieser Zeit (September) offenbar nicht mehr bewirtschaftet. Also stärken wir uns nur kurz mit einer Banane und nehmen, die Bikes schiebend und tragend, die letzten Höhenmeter zur Passhöhe in Angriff. Dann sind wir oben und mit 2694 m ist auch der höchste Punkt der gesamten Tour erreicht. Die Aussicht von hier ist atemberaubend! Wir meinen sogar „unsere“ bekannten Gipfel an der Grenze zu Südtirol ausmachen zu können, z.B. den Monte Cevedale und die Königspitze. Bergspitze um Bergspitze, so fügt sich ein Puzzleteil ans nächste zusammen zu dieser beeindruckenden Kette der Alpen. Trotz Wolkendecke, soweit das Auge reicht: Berge, Täler, Fels, Natur. Ich kann kaum aufhören zu staunen. Diese Höhe, diese Weite und ich bin mit meinem Bike klein und unbedeutend aber dafür mittendrin.

 

Murmeltier am Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Murmeltier am Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Der lange Aufstieg am Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Aussicht vom Pass Chaschauna, Italien, Alpine Bike Tour

Wegweiser am Pass Chaschauna, Schweiz, Alpine Bike Tour

Wegweiser am Pass Chaschauna, Schweiz, Alpine Bike Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch es ist kühl hier oben, also machen wir nur kurz ein paar Photos und nehmen den Downhill in Angriff. Mein Freund meistert die technisch sehr anspruchsvolle Passage mit Bravour. Aber für mich ist das nichts. Ich schiebe lieber, obwohl ich davon eigentlich echt genug habe. Aber sicher ist sicher. Nach dem ersten schwierigen Stück wird der Trail etwas fahrbarer und ich steige wieder auf. Etwas später wird der Trail zum breiten Fahrweg und ich kann das Bike rollen lassen. Was für eine tolle Abfahrt durch dieses unberührte Tal hindurch! Je weiter wir nach unten kommen, desto angenehmer werden die Temperaturen. Ab S-chanf (1661 m) geht es gemütlich und nur flach ansteigend am Inn entlang, meist auf geteertem oder naturbelassenem Radweg. Die Gegend ist wirklich malerisch. Wenn doch nur dieser fiese Gegenwind nicht wäre! Immer wieder sehen wir die roten Züge der Rhätischen Bahn wie sie sich zügig durch das breite Tal schlängeln. Ich finde es immer noch beeindruckend wohin man in der Schweiz überall mit dem Zug fahren kann. Als wir am Flugplatz von Samedan vorbeifahren, landet gerade ein kleines Personenflugzeug. Wer da wohl drinsitzt? Ich bin froh, dass es nach den Anstrengungen am Vormittag nun so gemütlich voran geht. Nur kurz vor St. Moritz wartet noch einmal ein kleiner aber fieser Anstieg durch einen Wald hindurch. Puh! Erschöpft aber glücklich kommen wir am späten Nachmittag an unserem heutigen Etappenziel an und suchen uns eine einigermaßen bezahlbare Unterkunft. Gar nicht so einfach hier. Wir nehmen ein Doppelzimmer im Nebenhaus des Hotel Sonne, für 170 CHF. Das Zimmer geht in Richtung schäbig und es ist alles andere als einladend aber wenigstens haben wir eine eigene Dusche! Abends spazieren wir durch St. Moritz. Meine Oberschenkel-Muskeln fühlen sich an wie zwei Ballone, die kurz vor dem Explodieren sind, ich spüre jeden Schritt. Und was habe ich für einen Hunger! Wir essen Pizza im „The Piz“  – ein super italienisches Restaurant, sehr empfehlenswert. Danach gehen wir zurück ins „Hotel“ und Dank der frischen Luft den ganzen Tag über und der stundenlangen körperlichen Betätigung (um es mal gelinde auszudrücken) schlafe ich tief und fest wie ein Stein. Was für eine coole Tour bis jetzt!

 

Zug der Rhätischen Bahn im Oberengadin, Schweiz, Alpine Bike Tour

Zug der Rhätischen Bahn im Oberengadin, Schweiz, Alpine Bike Tour

Malerischer Bergsee in der Nähe von St. Moritz, Schweiz, Alpine Bike Tour

Malerischer Bergsee in der Nähe von St. Moritz, Schweiz, Alpine Bike Tour