Alpine Bike Etappe 1: Scuol – Tschierv – Livigno

Distanz: ca. 72 km; Höhenmeter: ca. 2.200 hm; Höhenprofil

Beschilderung: Alpine Bike Mountainbike Route Nr. 1;

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 1, Scuol - Tschierv - St. Moritz; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Kartenausschnitt Alpine Bike Etappe 1, Scuol – Tschierv – Livigno; Quelle: http://map.mountainbikeland.ch

Heute geht unsere große Transalp-Schweiz Mountainbiketour los! In einer ersten Etappen möchten wir von Scuol im schönen Engadin über Tschierv im Münstertal nach Livigno in Italien fahren! Ich bin schon ganz nervös als wir am Morgen mit dem Auto in Scuol ankommen. Dort heißt es dann aber erstmal einen geeigneten Parkplatz zu finden, wo wir das Auto die nächsten zwei Wochen stehen lassen können ohne Unmengen an Geld dafür zu bezahlen. Bei der Touristeninformation am Bahnhof Scuol-Tarasp zeigt uns eine freundliche Mitarbeiterin einen Parkplatz am Ostrand von Scuol in direkter Nähe zu unserer Alpine Bike Route. Genial! Wollen wir nur mal hoffen, dass das Auto dann in zwei Wochen auch wirklich noch da ist …

Dann geht es los! Leider ist es jetzt schon etwa 10:30 Uhr. Aber wir sind hoch motiviert, das Wetter ist optimal, also packen wir es an. Vor uns liegen etwa 72 km und über 2.000 Höhenmeter! Von Scuol aus (1283 m) geht es zunächst auf einer asphaltierten Strasse hinauf ins Val S-charl. Ein schöner Weg, gut zum warm werden. Der erste Anstieg führt in eine steinige Schlucht und man hat den Eindruck fernab jeder Zivilisation zu sein. Die Strecke ist schön und kurzweilig und schon bald erreichen wir das Dorf S-charl (1807 m), wo wir uns mit einer Banane stärken. Dann geht es gleich weiter auf einem breiten naturbelassenen Fahrweg entlang eines Bergbaches und vorbei an frei weidenden Kühen auf den Pass da Costainas (2251 m) hinauf. Der Weg ist breit und zum Glück überhaupt nicht steil. Wir fahren gemütlich durch dieses wunderschöne und unberührte Tal, das später mehr zu einer breiten Hochebene wird. Wirklich eine sehr schöne Landschaft und wir fühlen uns beinahe frei wie ein Vogel. Die letzen paar Höhenmeter wird der Weg dann zu einem gut fahrbaren Trail, wenn doch nur diese Schlammpfützen nicht wären! Und dann kommt auch schon die Abfahrt ins Münstertal, bei der man die Bikes auf der meist asphaltierten Strasse einfach rollen lassen kann. Von dem kleinen Dörfchen Lü aus blicken wir fast etwas sehnsüchtig nach Südtirol auf den Gipfel des Ortler. Kurz darauf erreichen wir Tschierv (1665 m), so gegen 14 Uhr, trinken eine Cola und essen eine weitere Banane.

 

Pass da Costainas, Schweiz, Alpine Bike Tour

Pass da Costainas, Schweiz, Alpine Bike Tour

Pass da Costainas, Schweiz, Alpine Bike Tour

Pass da Costainas, Schweiz, Alpine Bike Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dieser kurzen Pause fahren wir gleich weiter, denn wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Wir sausen das kurze Stück bis Valchava entlang, dann beginnt der knackige Anstieg Döss Radond (2235 m). Der Weg ist naturbelassen aber breit und gut fahrbar. Es geht durch wunderschöne, lichte Lärchenwälder stetig hinauf. Ich bin nach diesem Anstieg schon ziemlich geschafft, denn das zusätzliche Gewicht im Rucksack bin ich nicht gewohnt und es macht doch einen großen Unterschied. Mein Rücken zieht und der Hintern schmerzt auch schon … Ich lasse meinen Blick über die uns umgebende Berglandschaft schweifen. Weit und breit ist nichts und niemand zu sehen außer unberührte Natur, Felswände, Berge. Der flache Streckenabschnitt hier durch das Val Mora hindurch ist wirklich wunderschön, wie eine Mischung aus kanadischer Wildnis und russischer Tundra (diesen Eindruck habe nicht nur ich: Stefanbuetler’s TravelPod). Auch bike-technisch wird der Weg jetzt interessanter. Ein schöner Singletrail zieht sich durch das teils bewaldete und teils aber auch sehr schroffe, felsige Tal. Es gilt immer mal wieder Geröll zu überqueren und ich steige ein paar Mal kurz ab, denn ich bin schon ziemlich kaputt und unkonzentriert. Ab und zu begegnen wir auch anderen Bikern. Die meisten fahren Fullies (Bikes, die vorne und hinten eine Federung haben) aber man kommt hier auch mit einem Hard-Tail, welches nur vorne gefedert ist, sehr gut durch. Noch immer fernab von jeglicher Zivilisation oder der Möglichkeit einzukehren, befürchte ich nun aber immer mehr, dass wir Livigno nicht vor Sonnenuntergang erreichen werden. Wir fahren am Lago die Fraéle vorbei, also müssten es noch etwa 15 km sein bis Livigno. Aber auch ein weiterer Anstieg von knapp 300 Höhenmetern wartet noch auf uns! Oh je. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag so hart für mich werden würde. Die Strecke ist zwar nicht unbedingt anspruchsvoll aber am Ende geht mir einfach ein wenig die Kraft aus. Ich kämpfe mich den letzen Anstieg am Passo die Valle Alpisella (2288 m) hoch und die Sonne steht jetzt schon ziemlich tief. Wir stärken uns mit unseren letzen zwei Bananen und dann erreichen wir endlich den Scheitelpunkt. Ein schöner Trail führt steil hinab nach Livigno. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn an einer Stelle ist eine äußerst schmale Holzbrücke, bei der mitunter der Lenker des Bikes steckenbleibt! Als der Weg etwas weiter unten dann breiter wird, lasse ich das Bike laufen und genieße die Abfahrt durch den Wald. Die Aussicht und Idylle in der Dämmerung am Lago di Livigno (1807 m) belohnen uns für die Mühen des heutigen Tages. In Livigno selbst ist der Idylle jedoch ein jähes Ende gesetzt! Hier tummeln sich die Touristen, Möchtegern-Outdoor-Sportler und vereinzelt ein paar Vertreter des High Society Kleidungsstils und schlängeln sich durch die von Geschäften und Boutiquen gesäumten Straßen. Obwohl wir September haben, kommt mir der Trubel hier vor wie als wäre es noch eine Woche bis Weihnachten. Die kühlen Temperaturen hier im abendlichen Livigno und die übertriebene Straßenbeleuchtung machen die Weihnachts-Illusion beinahe perfekt :)

 

Val Mora, Schweiz, Alpine Bike Tour

Val Mora, Schweiz, Alpine Bike Tour

Valle Alpisella, Schweiz, Alpine Bike Tour

Valle Alpisella, Schweiz, Alpine Bike Tour

Holzbrücke bei der Abfahrt nach Livigno, Italien, Alpine Bike Tour

Holzbrücke bei der Abfahrt nach Livigno, Italien, Alpine Bike Tour

Lago di Livigno, Italien, Alpine Bike Tour

Lago di Livigno, Italien, Alpine Bike Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Hotel angekommen ist die heiße Dusche wie eine Erlösung für mich. Ich bin so geschafft, dass ich am liebsten gleich schlafen gehen würde aber wir waschen noch unsere Bike Kleidung aus und gehen dann in unseren lustigen Zehenschuhen die Hauptstraße entlang, auf der Suche nach der ersten warmen Mahlzeit des Tages. Vom Hunger getrieben entscheiden wir uns für das recht einladend aussehende Restaurant „Bivio“. Eine wahre Fehlentscheidung! Der Service und das Essen sind eine herbe Enttäuschung. Aber der große Hunger und die Müdigkeit bewahren uns davor uns aufzuregen. Zurück im Hotel schlafe ich dann sofort ein und schlafe die ganze Nacht über wie ein Stein. Das Frühstück am nächsten Morgen ist etwas dürftig und der wässrige Automaten-Kaffee alles andere als typisch Italienisch. Schade. Für das Doppelzimmer mit Frühstück im Hotel Alpenrose haben wir 96 Euro bezahlt. Die Bikes konnten wir in die Tiefgarage des Hotels stellen, das war gut.